13 Apr, 09
Bei Amazon haben über Ostern eine ganze Menge an Produkten ihren Verkaufsrang verloren und sind in der Suche nicht mehr auffindbar. Da das Problem vornehmlich Literatur betrifft, das von der heterosexuellen, monogamen Norm abweicht - Gay/Lesbian/Bi/Transgender, Queer, Polyamory, etc. - lag für viele der Schluss nahe, dass Amazon hier absichtlich ihnen ungenehmen Inhalte zensiert, vielleicht gar absichtlich zu Ostern.
Sinnvolle offizielle Statements von Amazon gibt es nicht. Die Support-Dronen, stets bemüht, aber unbedarft gegenüber dem #amazonfail Shitstorm, der sich draußen zusammenbraute, haben es nicht zu mehr als zu “diese Bücher wurden als ‘Adult Product’ eingestuft, und ‘Adult Products’ werden aus dem Verkaufsrank und der Suche genommen”. Das ist allerdings keine neue Policy von Amazon, die nur bisher wenig Wellen geschlagen hat, weil die meisten ‘Adult’-Produkte nie als ‘Adult’ markiert wurden.
Sehen wir uns doch mal Amazon, die Firma, an: Sie sitzen in Seattle, einem Staat, der bisher nicht für religiösen Fanatismus bekannt ist. Das Team ist ein Haufen liberaler Kommunisten-Hippies, und die Firma hat eine mustergültige Gleichstellungspolitik, die sich nicht nur auf biologisches Geschlecht, sondern auch auf sexuelle Orientierung usw. erstreckt. Klingt nicht nach der Art Organisation, die im Handstreich mal schnell eine Menge Bücher verbrenntzensiert.
Betrachten wir Amazon, die Webseite bzw. den Dienst: Amazon ist längst nicht mehr nur der Online-Buchhandel. Man verwaltet bei Amazon eine gigantische Datenbank von Produkten. Diesen Bestand zu pflegen, würde einen unglaublichen Aufwand bedeuten - und deshalb pflegt Amazon ihren Bestand kaum mehr als z.B. Google ihren Index von Hand durchkämmen. Wenn Fehler und Inkonsistenzen gemeldet werden, schaut man sich die Sache mal an, ansonsten legt man die ganze Arbeit in die Hände von Algorithmen. Und so werden auch die Listen von ‘Adult Products’ höchstwahrscheinlich erzeugt: Wenn sich genug Leute beschweren, wird das Produkt erst mal geflaggt, und dann auf Anfrage - manuell, und damit langsam - wieder freigeschaltet.
Normalerweise ist das kein Problem - dank der guten Suche und der Empfehlungs-Engine bekommt man bei Amazon nur selten Dinge zu sehen, die man nicht sehen möchte. Noch seltener Dinge, über die man sich auch noch beschweren möchte. Das heißt aber eben auch, dass der Schwellwert für eine Aktion relativ gering ist. Alles, was es also braucht, um unerwünschte Inhalte aus Amazon rauszubekommen, ist eine konzertierte Aktion, wie sie entweder (religiöse o.ä.) Interessensgruppen starten können, oder eben Internet-Trolle.
Dabei spricht einiges für die Bantown-Theorie von tehdely. Entsprechend versierte Trolle könnten bei Amazon recht schnell automatisiert eine ganze Gruppe von Produkten flaggen lassen. Dabei wählt man Produkte, die sich an eine Minderheit richten, die sich sowieso schon sehr unterdrückt vorkommt und daher schnell und laut zurückschlägt. Und, mit etwas Glück, kommt dann auch noch ein “Glitch” hinzu, z.B. falls Amazon aus vielen Beschwerden automatisch Schlüsse zieht und zum Beispiel vorsorglich auch alle ähnlichen Produkte entfernen würde.
Bonuspunkte gibt es für die Wahl des Zeitpunktes - über Ostern werden die Büros auch bei Amazon nicht voll besetzt sein, und diejenigen, von denen man sich Stellungnahmen erhoffen würde, sind ebenso schwerer erreichbar wie die Medien, in denen die Stellungnahmen auftauchen würden.
Ohne aber irgendein Feedback von Amazon zu haben, finde ich die aktuellen Reaktionen - so sehr mir auch die Causa Rede-, Meinungs- und Sexualitätsfreiheit am Herzen liegt - übertrieben.
Update (2009-04-13 23:17 CEST): Über zwei Ecken habe ich nun aus Amazon gehört, dass die Glitch-Theorie doch wahrscheinlicher ist. So sollen knapp 60.000 Bücher versehentlich falsch kategorisiert worden sein, und die Automatik hat dann den Rest erledigt und die Bücher aus Sales Rank und Suche entfernt. Man arbeitet wohl mit Hochdruck an der Behebung der Sache und ärgert sich über die schlechte Außenkommunikation.
Update (2009-04-14 10:57 CEST): Seattle PI scheint die Glitch-Theorie zu bestätigen.
Update (2009-04-14 16:30 CEST): Wieso behauptet jeder, der Kundenservice habe eine “neue Policy bestätigt”? Die Policy, Adult-Produkte zu filtern, gibt es schon lange, und mit keinem Wort wird vom Support eine “neue” Policy erwähnt! Anyway, hier gibt es dann einen Inside Look eines Amazon-Mitarbeiters. Und #SorryAmazon. Wie gesagt.
Update (2009-04-16 16:27 CEST): Clay Shirky zum Thema. Die Kommentare sind ebenfalls interessant.
13 Apr, 09
Zu wikileaks: Überhaupt auf den “OMG! ZENSUR!”-Zug aufzuspringen, weil eine Seite im TRANSIT-Zustand gelandet ist, halte ich schon für bedenklich. Zum einen, weil TRANSIT eben ziemlich deutlich “nicht Sperrung” sagt: alles, was man tun muss, um eine Domain aus dem Transit-Zustand zu kriegen, ist, sie zu einem neuen Provider umzuziehen und das der DENIC mitzuteilen. Zum anderen, weil die Aussagen des Domaininhabers überhaupt keinen Sinn ergeben, denn:
Wenn - aus welchen Gründen auch immer - das DENIC-Mitglied die Verwaltung der Domain aufgibt, sucht die DENIC im Rahmen des TRANSIT-Verfahrens den direkten Kontakt mit dem Domaininhaber, um sicherzustellen, dass die Domain auch zukünftig durch ein vom Domaininhaber bestimmtes DENIC-Mitglied verwaltet wird.
(Quelle)
Selbst wenn also der bisherige Registrar eine Domain einfach hinschmeißt und freigibt, erhält der Domaininhaber dann ein Anschreiben der DENIC, das diese ganze Transit-Sache ausführlich erklärt. Und selbst, wenn man dieses Schreiben - aus welchen Gründen auch immer - nicht erhalten hat, ist die Transit-Informationsseite, die die DENIC dann aufschaltet, ebenfalls sehr deutlich und bietet alle nötigen Kontaktinformationen.
Leider hat wohl niemand den Besitzer von wikileaks.de gefragt, wie es denn sein kann, dass er einerseits von der “Sperrung” nichts wusste und andererseits offenbar nicht einmal die DENIC kontaktiert hat.
Was eine Gelegenheit gewesen wäre, bedacht, mit mehr technischem Verständnis als “die alten Medien” und die Vorteile des Mediums Internet/Blog nutzend zu berichten, wurde statt dessen ein Sturm im Wasserglas, mit viel Geschrei und viel Aufbauschen. Der Sache, nämlich dem Kampf für Freiheit und Offenheit bzw. der Etablierung von Blogs als seriöse Medien ist das aber nicht dienlich. Wenigstens wurden jetzt Klarstellungen nachgeschoben.
20 Mar, 09
Schon die Überschrift ist reißerisch: “Twitter-Community fällt auf Ente rein” titelt der SPIEGEL Online. Und sicher hätte man mit etwas gutem Willen noch stärker herausstellen können, dass eine Ente ja irgendwie auch ein Vogel ist, und Twitter, haha. Na gut.
Jedenfalls behauptet SPON, “das amerikanische Technik-Blog BBspot” habe behauptet, Twitter wolle neue Premium-Modelle einführen: Für $5 bis $250 pro Monat solle man Zusatzfeatures, mehr Tweet-Länge, und diverse Goodies bekommen können.
“Das amerikanische Technik-Blog BBspot”? Moment mal. Wir tun mal völlig ahnungslos und machen zwei Klicks von Spiegel Online weg, einen auf “BBspot”, und einen auf “About”. Und dort lesen wir, oh Wunder:
Called “the world’s greatest tech humour site” by The Register, BBspot creates entertainment for the geekier side of the world.
So so, “tech humour” also. Lesen wir weiter (Hervorhebung von mir):
BBspot produces a variety of features like fake news stories satirizing the tech and political worlds, […]
Das erwähnt SPON dann ein paar Absätze später. Und nur, weil SPON nicht versteht, dass die meisten Twitter-User die Satire wohl verstanden haben, und einige das “ihresgleichen” (Zitat SPON) auch explizit mitgeteilt haben, herauszufinden nämlich mit der von SPON selbst verlinkten Twitter Search, musste das Internet jetzt mit so einem Artikel zugemüllt werden.
Mit vielem Dank an Brian Briggs von BBspot und die Captains Obvious von SPON.
(Falls jemand bemerkt, dass meine Überschrift nicht weniger reißerisch ist, gratuliere ich schonmal: Ihr seid besser als der durchschnittliche Twitter-User in den Augen von SPON. Wer mag, darf sich aber die Überschrift “SPON versteht nicht, dass andere auch Satire verstehen können” denken, oder “SPON findet Twitter doof”. Das wären dann genau so wenig News, wie der Artikel bei SPON.)
Update: Etwas klarer formuliert.
17 Mar, 09
Wenn das Gras auf der anderen Seite grüner scheint, kann man entweder neidisch sein, nachts heimlich über den Zaun steigen, oder einfach mal mit dem Nachbarn reden, ob man den Zaun nicht einfach abbaut. Glück kommt durch das Abbauen der Zäune und Wände, nicht durch heimliches Herübersteigen oder Neid.
17 Dec, 08

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KORG Kaoss Kaossilator ~150€
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KORG pad Kontrol ~200€
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KORG Kaoss Pad 3 (KP3) ~400€
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Wow, großer Spaß. Von links nach rechts: Der KORG Kaossilator ist ein Phrase Synthesizer mit TouchPad. Was man damit machen kann, erklärt YouTube besser als Worte. Exemplarisch sei das Video von ThinkGeek genannt. Leider kann der Kaossilator nur “fertige” Töne analog ausgeben, keinen MIDI-Datenstrom.
Der KORG padKONTROL ist ein MIDI-Pad-Controller. 16 Pads, unheimlich viele toll klingende Features, die ich mir nicht merken kann, die aber in den Demo-Videos total wichtig aussehen. Und ein XY-Pad (Touchpad) ist auch drin. Dafür ist es aber selbst kein Sampler, sondern “nur” ein MIDI-Gerät.
Im Kaoss Pad 3 (KP-3) ist dann schließlich Synthesizer und Effektgerät vereint. Auch hier gibt es ein sehr anschauliches Video, das den KP-3 im Zusammenspiel mit dem Kaossilator zeigt. Der Kaoss Pad sollte aber, soweit ich das verstanden habe, auch selbst wie ein Kaossilator benutzt werden können, dabei aber auch MIDI-Daten senden. (Wenn das jemand bestätigen oder korrigieren könnte, wäre klasse.)
Need I say: habenwill?
01 Oct, 08
Seit ein paar Wochen verliert einer meiner Server gelegentlich die Netzwerkverbindung. In den Logs findet sich nichts, weshalb ich von einem Hardwareproblem ausgehe - entweder das Kabel ist kaputt oder sitzt nicht richtig, oder der Netzwerkchip verabschiedet sich. Leider musste ich dann feststellen, dass 1&1, wo dieser Server steht, mittlerweile nicht mehr per E-Mail oder gar die alte 01805-Nummer erreichbar sind, sondern jetzt nur noch über die 0900-1000-181, also eine frei tarifierbare 0900er-Nummer. Die Geschäftsanschlüsse sind natürlich alle für 0900 gesperrt, und vom Handy möchte ich sie auch lieber nicht anrufen.
Googlen und Crowdsourcing haben leider keine funktionierenden Tips hervorgebracht (dennoch vielen Dank für die Hinweise), außer an info@1und1.de zu mailen und zu hoffen, dass die das weiterleiten. Da ich irgendwo in den Tiefen der Webseite aber schon eine spezifischere Support-Adresse gefunden habe und darauf nach einer Woche keine Antwort kam, hab ich das gar nicht erst versucht.
Aber! Noch mehr googlen führte zu der 02602-96-0, was die Festnetz-Hauptrufnummer der 1&1 Internet AG ist. Und dort kriegt man dann nicht etwa einen Front Desk oder Zerberus an den Apparat, sondern das selbe Sprachmenü wie bei der 0900er-Nummer. Und wenn man dann bei der ersten Abfrage still ist, dann die Kundennummer eingibt und bestätigt, und dann “Technik” sagt, landet man beim Support. In meinem Fall direkt beim Rootserver-Support. Gloria! Viktoria!
Jetzt muss der Support nur noch das Kabel tauschen und das Problem damit behoben sein. Auf einen Mainboardtausch habe ich wenig Lust…
26 Aug, 08
Der Veranstaltungsort für das BarCamp Berlin (2008-10-18/19) steht fest. Eben wurde angekündigt, dass das BCB3 in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom (!) stattfinden wird. Das klingt vielversprechend und lässt zumindest auf konstant funktionierenden Netzzgugang hoffen :)
Auch Sponsoren haben sich viele gefunden - große und kleine. Allen voran die Telekom, die nicht nur die Location stellt, sondern auch kräftig für T-Systems (und vermutlich T-Labs) werben will. Besonders “Human Resources” dürften umworben werden: Die T-Systems sucht über 200 Mitarbeiter. Chocri (lecker Schokolade), Sonntagmorgen (lecker Kaffee) und Pure Tea (lecker Tee!) werden übrigens auch da sein, ebenso wie das Saftblog. Also auch eine gute Gelegenheit, sich mit leckeren, gesunden, netten Dingen einzudecken :) Außerdem werde ich hoffentlich endlich mal mymuesli ausprobieren können.

Die Registrierung beginnt nächste Woche, Sessionvorschläge gibt es bereits eine ganze Reihe. Letzte News vom BCB3 gibt es auf Twitter - stay tuned.
Und wer von Hamburg nach Berlin mitfahren will, ich hab bestimmt wieder 2-3 Plätze frei.
16 Jul, 08
Vor zwei Tagen - am Montag - habe ich unsere Firmenmails zu Google Apps for your Domain umgezogen. Unser bestehender Mailhoster bot kein IMAP an, und so standen wir vor der Entscheidung, die gesamte Domain oder nur den Mail-Teil umzuziehen, und falls, wohin. In Frage kamen ein eigener Server, Google Apps, oder eine Drittanbieter.
Heute schon bereue ich es, mich für Google Apps entschieden zu haben. Die Migration war eher holprig - Google bietet weder an, bestehende Google-Kalender oder Mail-Konten zu übernehmen, noch funktionieren ihre Tools wie z.B. der Google E-Mail Uploader: Unter Windows Vista brach die Installation einfach ohne Meldung ab, nach dem achten Mal war es dann aber installiert; unter Windows XP x64 startet die Installation nicht einmal (“Fatal error 2”). Dank Ruby war die Mailmigration dann vergleichsweise schnell lösbar, dank ICS konnten auch die Kalender - mühsam zwar, aber immerhin - portiert werden.
Langsam pendelte sich also alles ein, dann geschah das, was (bei) Google eigentlich nie geschehen sollte: Der “Temporary Error (502)”. Beim Versuch, auf meine Mail per Webinterface zuzugreifen, erhalte ich nur die lapidare Meldung “We’re sorry, but your Google Mail account is currently experiencing errors.” mit der Bitte, es doch “in a few minutes” nochmal zu versuchen.
Diese Fehlermeldung hält sich nun seit über fünf Stunden. Fünf Stunden, in denen ich nicht an meine Firmenmails komme. Selbst der IMAP-Server meldet nur * BYE System Error und trennt die Verbindung. Ganz abgesehen davon, dass das für mich persönlich und die Firma einfach extrem nervig und unakzeptabel ist, finde ich auch und vor allem, dass das Google eigentlich unwürdig ist. Diese Leichtfertigkeit, mit der das Vertrauen der Benutzer verspielt wird, sehe ich allerdings in letzter Zeit vermehrt bei Google: Sei es, dass sich jeder fragt, was das mit Jaiku soll, die gehäuften Ausfälle bei Google Mail und Google Talk, oder dass immer mal wieder Dienste oder Programme einfach eingestellt werden.
Google, that’s ridiculous.
09 Apr, 08
Und hier jetzt die Hintergründe zur @mopo:
Selbst darüber berichten darf die MOPO übrigens nicht - jedenfalls nicht offiziell.
Nachtrag: Ich möchte ja nicht der letzte sein, der nicht behauptet, zu wissen, wer dahinter steckt. Also: Ich weiß, wer hinter @mopo steckt - werde es aber für mich behalten.
09 Apr, 08
Der letzte Tweet der MOPO ist etwa so kryptisch wie ihr zweiter.
Alles deutet meiner Meinung nach darauf hin, dass bei der MOPO gerade eine Art Aufstand geprobt wird. Erst entfällt die Nachtausgabe, dann erscheint am nächsten Tag nur eine Notausgabe. Jetzt wurde “die Tagesplanung geändert” und man spricht von einem “aus Berlin [aufziehenden] Sturm”.
Ich sag nur “Montgomery”.